COMICOSKOP - Das deutsche E-Fachmagazin für Comic-Kultur, Cartoon, Manga & Bildgeschichte - unabhängig, innovativ und weltoffen

COMICOSKOP - Das deutsche, aber weltoffene E-Fachmagazin für Comic-Kultur * Herausgegeben und gegründet von Martin Frenzel  /  COMICOSKOP-Chefredakteur: Martin Frenzel

Zwischen Asterix, Lucky Luke und Ehapa Comic Collection: Der langjährige Ehapa-Chefredakteur, Verlagschef und Übersetzer Michael F. Walz, der eine Ära in den 1980er und 1990er Jahren prägte, stirbt im Alter von nur 70 Jahren  (1. Okt. 2025)

Ein COMICOSKOP-Nachruf von Martin Frenzel.

Es ist ein großer kultureller Verlust für die deutschsprachige Comic-Szene, der Comic-Kosmos weint bittere Tränen: Michael F. Walz, der eine Ära in den 1980er und 1990er Jahren prägte, hat den jahrelangen Kampf gegen die schwere Krebserkrankung verloren – er starb am Mittwochmorgen, 1. Oktober 2025, im Alter von nur 70 Jahren, drei Monate vor seinem 71. Geburtstag. Michael Walz, geboren kurz vor Weihnachten, am 18. Dezember 1954,  in Bad Homburg bei Frankfurt am Main im Sternzeichen des freiheitsliebenden Schützen und chinesischen Tierkreiszeichens Pferd, war Hesse durch und durch, Frankfurter Bub, auch wenn er im Laufe seines Berufslebens zum Wahl-Schwaben und -Stuttgarter avancierte, der mit seinem Lieblings-Fußballklub VfB Stuttgart mitfieberte.

"Menschen haben zweierlei Eigentum: Ihre Lebenszeit und ihren Eigensinn", schreibt Alexander Kluge treffend in seiner "Chronik der Gefühle". Auf Michael F. Walz traf dieser Satz zu, er besaß Eigensinn im positiven Sinne des Worts.

Er prägte eine zwei Jahrzehnte dauernde Ära als Ehapa-Chefredakteur und -Verlagschef, Übersetzer, Lizenz-Agent von Albert Uderzo und Lucky Luke-Zeichner Morris, Übersetzer und Lektor, war Impulsgeber, Weichensteller und Ermöglicher gerade auch deutscher Eigenproduktionen, die ihm sehr am Herzen lagen, und er war derjenige, der den genialen Einfall hatte, die Asterix-Mundart – in ganz Europa ein Unikum - aus der Taufe zu heben.

Walz absolvierte ein Studium der Romanistik, Germanistik und Kunstgeschichte und Geschichte an der Johann-Goethe-Universität Frankfurt. Dort engagierte er sich als für die linkssozialistische Hochschulgruppe MSB Spartakus, war ASTA-Vorsitzender, gewiefter Polit-Stratege und -Taktiker im Frankfurter Studentenparlament… kannte die Granden der Frankfurter Sponti-Szene um Joschka Fischer und Dany Cohn-Bendit… von dieser Zeit hat Michael oft erzählt – und wohl hier das nötige Rüstzeug erworben, das später im Haifischbecken des Berufslebens von Nutzen war…

Danach war Walz Sprachdozent an der TU Darmstadt und wirkte unter der  Ägide des renommierten Darmstädter Literaturwissenschaftlers und Kinderbuch-Forschers Klaus Doderer fürs Frankfurter Institut für Jugendbuchforschung.

Von 1984 an begann dann sein zweites Leben als Comic-Redakteur, -Lektor und -Übersetzer, Verlagsleiter beim seit 1951 in Leinfelden-Echterdingen ansässigen Stuttgarter Ehapa-Verlag unter der Ägide des legendären Verlegers, seines Mentors Adolf Kabatek: Ehapa, so genannt wegen des dänischen Gründervaters Egmont H. Petersen (E-ha-Pa), die Tochter des Kopenhagener Mutterkonzerns Gutenberghus (heute Egmont Media), sollte die Hauptwirkungsstätte seines Lebens werden.

Dänischer Gründervater des heutigen Egmont Konzerns und Namensgeber des Ehapa Verlags: Der Drucker und spätere Gutenberghus-Verleger Egmont H. Petersen, aus dessen Initialen ("E-Ha-Pa") sich der Name der westdeutschen Verlagsfiliale Ehapa bei Stuttgart ableitete... / Foto: (c) Egmont Media

Jahrzentelanger Sitz des Ehapa-Verlags: Das Verlagsgebäude Leinfelden-Echterdingen vor den Toren Stuttgarts... / Foto: (c) Egmont Ehapa

Michael Walz  war zunächst als Kabateks rechte Hand, als dessen Assistent in der Ehapa Geschäftsführung bei Ehapa tätig. 1985 stieß er zudem zur Asterix-Comic-Abteilung, bei der er Kabatek maßgeblich bei der Textredaktion und -bearbeitung der Gudrun Penndorf‘schen Übersetzungen half.

2001 erklärte Michael Walz im Interview mit dem Focus rückblickend: „(Adolf Kabatek) war der deutsche Goscinny. Ein humoristisches Genie. Ich habe seit 1985 in seinem Übersetzungsteam gearbeitet. Damals hat er die Rohübersetzung von Gudrun Penndorf bearbeitet.“

Später wagte er es, in die großen Fußstapfen Gudrun Penndorfs und Adolf Kabateks zu treten,  ganze Asterix-Alben alleine zu übersetzen (Band 30 (Obelix auf Kreuzfahrt) und 31 (Asterix und Latraviata) … schuf die europaweit einzigartige Asterix Mundart-Reihe, die zur Erfolgsgeschichte geriet, avancierte im Lauf der Jahre zur Vertrauensperson der beiden Superstars Albert Uderzo und Morris alias Maurice de Bevere, wurde nicht umsonst deren Exklusiv-Rechte-Agent, auch und gerade in den Jahren nach seiner Ehapa-Ära.

(c) Editions Albert-René René Goscinny & Albert Uderzo / Hachette / Egmont-Ehapa Media - all rights reserved

Von 1988 berief man ihn zum Chefredakteur der bahnbrechend neuen Ehapa- Albenproduktion, der Ehapa Comic Collection (ECC), mit der die Stuttgarter faktisch Neuland betraten und den anfangs nur westdeutschen, später gesamtdeutschen Buchhandel eroberten. Das war auch ein Wendepunkt in der Comic-Verlagswelt: Denn der Monopolist Carlsen bekam nun erstmals ernsthafte, ebenbürtige Konkurrenz bei den Qualitäts- und Autorencomics. „Pretiosen“, wie Michael es formuliert hätte. Michael Walz baute die ECC systematisch zum neuen verlegerischen Vorzeige-Segment der Stuttgarter aus – trug maßgeblich zum allmählichen Image-Wandel Ehapas vom Heftchen- und Asterix- und Lucky Luke-Verlag bei, der sich zur ernsthaften Konkurrenz für Carlsen mauserte. Er und der zu Ehapa geholte Buch-Verleger und Manager Klaus M. Mrositzki und der Ehapa-Redakteur Andreas Boerschel mutierten zum Dream Team der Ehapa Comic Collection, das weithin Maßstäbe setzte und nicht umsonst etliche Erlanger Max-und-Moritz-Preis einheimste.

(c) Editions Albert-René René Goscinny & Albert Uderzo / Hachette / Egmont-Ehapa Media - all rights reserved

Dann gelang ihm ein echter Coup, nämlich die Mundart-Asterixe: Das war allein seine geniale Idee, dank seiner Freundschaft zu Altmeister Uderzo kam es dazu, dass dieser einwilligte und diese in Europa einzigartige Dialekt-Variante der Gallier-Saga überhaupt zuließ.

Die Mundart-Asterixe gerieten zum Erfolg bis heute, er selbst ließ es sich nehmen, einige Bände höchstpersönlich  ins Schwäbische zu übersetzen.

Unter seiner ECC-Ägide kam die umfassende Carl Barks Collection endlich in deutscher Sprache auf den Markt, die gesammelten Werke des Enten-Altmeisters…

Die Tassilo, / Percevan-Rittersaga, eine frankobelgische Semifunny-Abenteuer- und Fantasy-Serie, lag ihm sehr am Herzen, die er anfänglich selber übersetzte. Ich selbst hatte eine kurze Weile das Vergnügen, Tassilo unter Michels Obhut übersetzen zu dürfen.

…zu den verlegerischen Coups gehörte sicher auch die Übernahme des Feest Verlags… im Zuge dessen kam Georg F.W. Tempel ja dann zu Ehapa (heute Blattgold-Verlag Bad Dürkheim und ZACK-Herausgeber) und übernahm dann dort bald die neue Manga Schiene, mit Sailor Moon & Co.

Ich erinnere mich, dass Carlsen und Ehapa sich im Zuge der Frankreichs visionären Comic-Verleger Jacques Glénat in Gang gesetzten Akira-Welle von 1989/90 an einen heftigen Wettstreit lieferten, um den ersten Platz bei den Manga-Comics … Michael mischte da an vorderster Front mit….

Kein Zweifel: Mangas waren inhaltlich-grafisch sehen seine Sache nicht, eher die klassischen Comics, die frankobelgischen Bande Dessinée und Will Eisner…. Er war einer, dem es ums „Prinzip Bildgeschichte“ (Dietrich Grünewald) ging, der zeigen wollte, dass der Comic grafisch wie erzählerisch wertvoll und mehr sein kann als nur Massenzeichenware.

Unter seiner Fittichen erschien obendrein das gut gemachte ECC-Kundenmagazin… Tock Tock war das Kundenmagazin der Ehapa Comic Collection (ECC), geriet zum Aushängeschild, war – redaktionell gesehen – mehr als ein bloßes Reklamemagazin. Mit den ECC Comics wollte Ehapa Buchhandel und Alben-Kultur wagen…. Und es war vor allem Michael Walz‘ Verdienst, dass dies summa cum laude gelang.

Allerlei Sekundärwerke über Comics brachte er überdies  auf den Weg, z.B. das Asterix-Lexikon zusammen mit Horst Berner….

Es gelang ihm, Stars wie Moebius/Giraud und Enki Bilal und Francois Schuiten zu Ehapa abzuwerben, er verlegte Hugo Pratt und Regis Loisels „Peter Pan“,  er hatte ein Händchen für Neu-Entdeckungen (so etwa des 1989 noch völlig unbekannten galizisch-nordwestspanischen Comic-Künstlers Miguelanxo Prado mit der „Der tägliche Wahn“ und „Manuel Montano“, der dann zum shooting star avancierte). Und ein Herz für deutsche Eigenproduktionen: So entstanden etwa der Schimanski-Comic von Martin Frei, aber auch historische Stoffe wie die spannenden Geschichtscomics – zur deutschen Einheit „Geh doch rüber“ mit Joseph Behé, dem Straßburger Comic-Künstler, aber auch der sehr gelungene 1848er/49er Comic Des Volkes Freiheit : die Revolution von 1848/49 in Baden und Württemberg, ebenfalls aus Behés Feder.

Mit den Gebrüdern Michael und Thomas Musal wagte Michael Walz  die Alben-Serie Die Zeitzocker, er entdeckte und förderte den damals noch unbekannten Reinhard Kleist (Lovecraft-Horrorcomics), verlegte Gregor K. von Martin Frei und Berti – den Fußballcomic und den Ärzte-Comic. Eins seiner letzten Ehapa-Projekte war, wenn ich recht memoriere, Pascal Crocis „Auschwitz“ – in Frankreich gepriesen, preisgekrönt und im Schulunterricht eingesetzt, in Deutschland dem Land der Täter gnadenlos verrissen, bis auf wenige positive Rezensionen in der Jüdischen Allgemeinen und im Comic-Jahrbuch und einer guten Besprechung in der „Welt“… eine verdienstvolle verlegerische Tat, mutig und wegweisend. (Es war eine Peinlichkeit sondergleichen, dass Michaels Nachfolgerin bei Egmont-Ehapa in Erlangen nicht mehr zu diesem Titel stehen wollte, nur, weil sie medialen Gegenwind erntete. Michael wäre das nicht passiert.)

In all der Zeit fühlte er sich dem Internationalen Comic-Salon Erlangen mit Karl Manfred Fischer und später Bodo Birk sehr verbunden, sorgte jahrelang dafür, dass namhafte Stars aus Frankreich/Belgien oder den USA dorthin pilgerten,  nicht zuletzt Großmeister Albert Uderzo, lud aber auch zur Frankfurter Buchmesse einen Moebius/Giraud ein, besuchte die großen europäischen Messen, allen voran Angoulême, die kurzzeitige Konkurrenz in der Alpenmetropole Grenoble 1989/90...

Ich erinnere mich, dass Michael mich 1990 im Jahr der „Wende“ und Deutschen Einheit beauftragte, in seinem Auftrag für Ehapa die Comic-Landschaft in Ost-Deutschland zu erkunden, in Ost-Berlin und Leipzig… damals traf ich im bizarren Schneegestöber u.a. die Renate-Leute in Berlin, den späteren STERN-Reporter Volker Handloik und andere… und schrieb einen "Im Osten viel Neues"-Report für den Verlag über Schwarwel & Co…

(c) Editions Albert-René René Goscinny & Albert Uderzo / Hachette / Egmont-Ehapa Media - all rights reserved

Von 2000 an war er Chefübersetzer - nicht zuletzt des Ehapa-Bestsellerphänomens Asterix, stieg 2001 zum Verlagsleiter der Alben-Abteilung von Egmont Ehapa, der Egmont Comic Collection, auf, ehe er nach beinahe zwanzigjähriger Ära bei der Stuttgarter Filiale des dänischen Gutenberghus/heute Egmont Media-Konzerns in Kopenhagen seine langjährige Wirkungsstätte notgedrungen im September 2003 verließ.

Der Kurs des Verlags passte ihm nicht, nicht zuletzt die Entwurzelung des in Leinfelden-Echterdingen fest verankerten Verlagshauses zugunsten von Berlin (und kurzzeitig Köln) kritisierte er scharf.

Danach begann er, der zeitlebens große Kunstkenner und -liebhaber und leidenschaftliche Kunstsammler, am Bodensee sein drittes Leben:

Im Oktober 2003 machte Michael Walz seinen Traum einer  eigenen Kunst-Galerie in der Stadt Martin Walsers, Überlingen am Bodensee, wahr, ließ sich dort nieder. Seinen bereits 1986 während der Ehapa-Zeit gegründeten walz kunsthandel setzte er in Überlingen verstärkt fort: Kunsthandel und -Galerie entwickelten sich alsbald zu einer der ersten Adressen des Bodenseeraums für Werke von Francisco Goya, der Klassischen Moderne, Graphik des Expressionismus sowie ausgewählter zeitgenössischer Kunstpositionen. Attraktive Ausstellungen ermöglichten hervorragend aufbereitete Einblicke in die Schätze der Galerie. Thematische Führungen und Vorträge ergänzten das Angebot. Ein gut ausgestattetes Kunstbuch-Antiquariat lud obendrein zum Stöbern ein. So zeigte Michael Walz etwa 2009 die Werke Marc Chagalls - "eine hochwertige Verkaufsausstellung mit 50 prachtvollen Lithographien, Radierungen, Farbholzschnitten, Monotypien und Unikat-Arbeiten unter dem Titel Marc Chagall, Graphische Werke aus sieben Jahrzehnten. Tenor damals: "Chagall ist der große Zauberer in der Malerei und der Graphik des zwanzigsten Jahrhunderts."
Parallel dazu gründete er, ebenfalls im Oktober 2003 an gleichem Ort gemeinsam mit seiner Frau Christina Walz, der langjährigen Ehapa-Egmont-Pressesprecherin, die Agentur walz 2 consult, eine Agentur für Verlagsberatung und PR-Beratung.

(c) Editions Albert-René René Goscinny & Albert Uderzo / Hachette / Egmont-Ehapa Media - all rights reserved

Diese dritte Phase seines Lebens am Bodensee trug nicht minder reiche Früchte: So glänzte er mit sehenswerten Goya- oder Käthe Kollwitz-Ausstellungen in seiner schönen, hellen Galerie in Überlingen am Bodensee (natürlich kannte er Goyas Satz "Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer"), trieb erfolgreich Kunsthandel mit einer wachsenden Kundschaft ("Walz Kunsthandel und Antiquariat"), und war mehrere Jahre weiterhin der Mister Lizenzrechte für die beiden Altmeister Albert Uderzo und Morris, mit denen ihn ein enges freundschaftliches Verhältnis verband. Da half ihm, dem großen Frankreich-Liebhaber und -Kenner, die Tatsache, dass er das Französische wie ein Native Speaker beherrschte, den Savoir Vivre des Landes über alles liebte. Seine erste Ehe aus Stuttgarter Tagen mit einer Französin hielt zwar nicht lange, aber sie schenkte ihm einen Sohn.

Aber er stellte auch den belgisch-israelischen Comic-Künstler Michel Kichka aus, dessen Shoah-Comic „Zweite Generation“ Michael Walz verdienstvoller Weise bei Egmont-Ehapa noch am Ende seiner Ära auf Deutsch veröffentlicht hatte.

Christina und Michael Walz übernahmen mit ihrer Agentur u.a. auch die Harry Potter-PR für die Thalia-Buchhandlungen und vertraten Brösel mit seinem Werner-Comic als Lizenzagenten gegenüber Ehapa.

Jeder, der Michael kannte, wusste um seine Wortgewandtheit und seinen zuweilen nicht enden wollenden, stets mit hessischem Charme und Sprachwitz vorgetragenen, im Frankfurter Studentenparlament geschulten Wortschwall, aber er war vor allem einer, der auf beiden Klavieren virtuos zu spielen verstand: dem künstlerisch-literarisch ambitionierten Autorencomic einerseits und dem Bestseller-Massencomic populärer Prägung andererseits (von Asterix über Carl Barks und Lucky Luke bis Brösels Werner).

Michael war warmherzig, wortgewandt, weltoffen und charmant, witzig und humorvoll, ein belesener, ungemein eloquenter, geschichts- und politikbewusster Kultur-Intellektueller, konnte aber auch zuweilen ruppig sein...

Michael war mir ein enger Weggefährte und Freund seit 36 Jahren, seit 1989, als wir uns auf dem Internationalen Comic-Salon zu Angoulême, Europas Cannes der Comics, kennen- und schätztenlernten und gemeinsam die damals aufsehenerregenden ersten Arbeiten eines gewissen Miguelanxo Prado bewunderten.

Das war der Beginn einer jahrelangen Freundschaft: Man konnte mit Michael wunderbar über Comic-Kultur, aber nicht minder gedankenanregend und gut über Politik, Geschichte, Philosophie, Kunst und Literatur reden, nächtelang… oder mit ihm Schwimmen gehen, was er leidenschaftlich gerne tat, im Bodensee oder im Schwimmbad…. Politisch blieb er im Herzen ein Linker, soziale Gerechtigkeit war ihm ein Herzensanliegen, die Ideale der Französischen Revolution aus Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit hielt er hoch, auch wenn er materiell und statusmäßig gesehen längst Teil der gut verdienenden oberen Mittelschicht geworden war.

Erst im Herbst letzten Jahres hatten wir ein COMICOSKOP-Exklusivinterview zu seinem 70. im Dezember 2024 fest vereinbart, ich hatte ihm die Fragen geschickt. Es kam leider nicht zustande, weil der Kampf gegen die Krankheit Vorrang hatte. Er rief mich zu meinem 60. kurz vor Mitternacht an - und wir sprachen fast eine Stunde. Da war sofort jene Nähe wieder da, die Michael zu schaffen wusste. Im Frühjahr dieses Jahres lud er mich zu einem Wiedersehen an den Bodensee ein, aber das hat widriger Umstände wegen nicht mehr sollen sein.

Auch wenn er am Telefon, was Geist, Wortwitz und Stimme anbelangt, immer noch ganz der Alte zu sein schien, schlagfertig, voller Mutterwitz, ein Kommunikationstalent, aber auch einem Hang zur Weitschweifigkeit (die sein Gegenüber kaum zu Wort kommen ließ), zehrte die schwere Krankheit sehr am ihm. Körperlich und kräftemäßig war Michael nicht mehr der Alte. Zuletzt hat Michael den langen Kampf gegen den Krebs am Ende verloren. Er starb am Mittwochmorgen, den 1. Oktober 2025, nur wenige Wochen vor seinem 71. Geburtstag.

Er wird seine letzte Ruhestätte in Überlingen am schönen Bodensee finden – jenem Schwäbischen Meer, das er so liebte und in dem er so gerne schwamm.

Marcel Proust hat ja einmal gesagt: Versuche stets ein Stückchen Himmel über Deinem Leben freizuhalten. Für Michael F. Walz bestand dieser  Himmel im Dreiklang seines Lebens, aus Gesellschaftspolitik und Geschichte, der Comic-Kultur um Asterix, Lucky Luke & Co. und nicht zuletzt seiner Liebe zur Kunst, sei es zu Goya oder Käthe Kollwitz.

Die deutsche Comic-Szene verliert einen herausragenden Comic-Redakteur, -Lektor und führenden Verlags-Protagonisten, der bleibende Spuren hinterlässt - und weithin Maßstäbe bundesdeutscher Comic-Kultur gesetzt hat. Die Kunst-Szene verliert einen versierten, kunstsinnigen Galeristen, Kunsthändler und -Kenner der Werke Goyas und Käthe Kollwitz'. Und ich verliere einen guten Freund, einen Weggefährten und Gesprächspartner, der mir wie ein großer, zehn Jahre älterer Bruder war, bei dem aber die Wellenlänge stimmte.

Michael F. Walz findet seine letzte Ruhestätte in Überlingen. Ruhe in Frieden, mein Freund, ganz im Sinne Joseph von Eichendorffs: „Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus“. 

 

 

Martin Frenzel, 1./2. Oktober 2025

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