COMICOSKOP - Das deutsche E-Fachmagazin für Comic-Kultur, Cartoon, Manga & Bildgeschichte - unabhängig, innovativ und weltoffen

COMICOSKOP - E-Fachmagazin für Comic-Kultur * herausgegeben und gegründet von Martin Frenzel  /  COMICOSKOP-Chefredakteur: Martin Frenzel

COMICOSKOP Nr. 26 /  September 2022 bis  Oktober 2022 / 9. Jahrgang / Gegründet im April 2014 / Online seit Dezember 2014

Grußwort der Kulturstaatsministerin Claudia Roth MdB für das E-Fachmagazin für Comic-Kultur COMICOSKOP:

Kulturstaatsministerin Claudia Roth: "Comics sind Kunst, sind Literatur – und manche sind pures Adrenalin!"

Tenor: "Die Comic-Szene hat eine immense Bandbreite und thematisiert, drängende Fragen unserer Gesellschaft, unserer Zeit. Comic, das ist für mich ein Medium, eine Kunstform einer offenen, demokratischen und diversen Gesellschaft.“

Kulturstaatsministerin Claudia Roth / Foto: (c) Staatsministerin für Kultur und Medien

Liebe Leserinnen und Leser des COMICOSKOPS,

liebe Comic-Freund:innen,

 

lassen Sie mich gleich vorweg sagen, ich bin eine von Ihnen – ich bin eine Freundin, ein Fan des Comics. Denn Comics lassen uns Dinge sehen, die ohne die wunderbaren, manchmal auch verstörenden Zeichnungen mit ihren prägnanten Texten schlicht unsichtbar wären.

 

Es ist die hohe Kunst der Comic-Zeichner:innen, ihre Geschichten in der Symbiose von Bild und Text entstehen zu lassen und uns so eine besondere Art der Annäherung, der Auseinandersetzung mit ihren Geschichten, ihren Botschaften, ihren Perspektiven zu erlauben.

 

Comics sind Kunst, sind Literatur – und manche sind pures Adrenalin! Sie sind aber auch Bildungs-, Wissens- und Reportage-Medien, sie bringen Geschichte und Gegenwart ganz nah, setzen sich mit den drängenden Fragen unserer Gesellschaft auseinander.

 

Das kann man aktuell sehr eindrucksvoll an den Bildergeschichten zum grauenhaften russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sehen. Neben pointierten und mitunter auch provozierenden Darstellungen haben mich besonders die eindringlichen Szenen aus dem Alltag in den ukrainischen Kriegsgebieten bewegt, die ein erschreckendes Bild von Gewalt und Verlust zeichnen, ich denke da beispielsweise an die Comicreihe der ukrainischen Autorin Julia Tveritina in der Washington Post.

 

Eine weitere Graphic Novel, die mich beeindruckt und nachhaltig bewegt hat, ist „Freedom Hospital“ von Hamid Sulaiman. In einer bemerkenswerten Vielschichtigkeit erzählt und illustriert er die Schrecken, die Hoffnung, die Verworrenheit, das Menschsein im syrischen Bürgerkrieg und zeigt trotz seiner ausdrucksstarken Schwarz-Weiß Zeichnungen die Grauzonen dieses Krieges. Zwei originale Zeichnungen dieses Meisterwerks hängen seit Anfang des Jahres in meinen Büroräumen im Bundeskanzleramt und haben schon einige Besucher*innen zum Innehalten bewegt.

Dass Comics auch Geschichte nah bringen können, zeigt beispielsweise Serpentina Hagner in ihrer Graphic-Novel „Kurze Entstehungsgeschichte einer Selbstverständlichkeit - 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland", in der sie den Kampf für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung der Frauenbewegung nachzeichnet und uns so den Weg zu diesem historischen Meilenstein unserer Demokratie, unserer Gesellschaft erlebbar macht. 

 

Das sind nur drei Beispiele aus der jüngeren Zeit, wobei es immer schwierig ist, einzelne Zeichner:innen herauszuheben, schließlich haben wir auch in Deutschland eine bemerkenswerte, eine kreative, und eine (erfolg-)reiche Comic-Szene, die sich immer weiter etabliert und ausdifferenziert.

Doch wie geht es nun mit dieser Kunstform weiter?

Wie wird sich das Erzählen mit Bildern, wie wird sich der Comic oder die Graphic Novel weiterentwickeln?

 

Als Staatsministerin für Kultur und Medien werde ich diese Entwicklung begleiten und unterstützen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir den Comic namentlich und ausdrücklich im Koalitionsvertrag verankert haben – ein starkes Bekenntnis, für das es auch höchste Zeit wurde.

 

Wir belassen es aber nicht nur bei schönen Worten, sondern handeln auch: Mit der maßgeblichen Förderung der „Comic Expansion“ im Mai diesen Jahres aus dem Haushalt meines Hauses konnte eine bisher einmalige Fachkonferenz, ein erstes Vernetzungstreffen im und in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin (lcb) ermöglicht werden, das wichtige Anstöße gegeben und Debattenräume geöffnet hat.

 

Außerdem ist es mir zunächst und gerade in diesen Zeiten wichtig, Projekte zu fördern, die direkt bei den Künstler:innen ankommen – sei es von Werkförderung über freie Arbeitsstipendien bis hin zu Projektförderungen.

 

Dazu hat der aus meinem Haushalt finanzierte Deutsche Literaturfonds bereits gemeinsam mit den Akteur:innen der Comic-Szene konkrete Überlegungen zu Fördermöglichkeiten angestellt.

 

 Die Comic-Szene hat eine immense Bandbreite und thematisiert, drängende Fragen unserer Gesellschaft, unserer Zeit. Comic, das ist für mich ein Medium, eine Kunstform einer offenen, demokratischen und diversen Gesellschaft.“

Claudia Roth

Staatsministerin für Kultur und Medien,

Beauftragte der Bundesregierung

Mitglied des deutschen Bundestags

 

Berlin, im September 2022

Claudia Roth (* 15. Mai 1955 in Ulm) ist eine deutsche Politikerin. Sie studierte im Jahre 1974 Theaterwissenschaften an der Ludwig-Maximilian-Universität in München.

Von 1975 an arbeitete sie zunächst als Dramaturgie-Assistentin, später als Dramaturgin an den Städtischen Bühnen in Dortmund sowie am „Hoffmanns Comic Teater“ in Unna. Von 1982 bis 1985 war sie Managerin der Band „Ton Steine Scherben“ um Rio Reiser. Als Pressesprecherin der ersten grünen Fraktion im Deutschen Bundestag wechselte sie 1985 in die Politik. 1989 wurde sie ins Europäische Parlament gewählt. Dort blieb sie bis 1998, ab 1994 als Fraktionsvorsitzende der Grünen, bevor sie über die bayerische Landesliste in den Deutschen Bundestag einzog.

Von 1998 bis 2001 war sie Vorsitzende des neu gegründeten Ausschusses für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, zwischen März 2003 und Oktober 2004 dann Beauftragte der rot-grünen Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt. 

Von 2001 bis 2002 sowie von 2004 bis 2013 amtierte Claudia Roth als eine von zwei Bundesvorsitzenden der Partei Bündnis 90/Die Grünen, 2008 bis 2013 neben Cem Özdemir. Von 2013 bis 2021 war sie Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, seit dem 8. Dezember 2021 hat sie das Amt der Staatsministerin beim Bundeskanzler und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im de:Kabinett Scholz inne.

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